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Was ist TCF

Die TCF Praxis:

Andrea Süß, 29 Jahre alt, Projektmanagerin der Aus- und Fortbildung der PGA of Germany in München, traf einen unserer PGA Golfprofessional im Graduierungsstatus G1 und True Custom Fitter.

Ziel der Mission: Gefittete Golfschläger nach Maß.

Andrea Süß hatte in der Geschäftsstelle der PGA of Germany neu als Projektmanagerin für die Aus- und Fortbildung der Golflehrer angefangen. Zugleich begann sie gerade mit Golf, was das Fitting für mich sehr aufregend machte. Auch mit ihrer geringen Spielerfahrung folgte das Fitting den gleichen Abläufen wie bei erfahrenen Golfern. Wir fingen mit einem Interview mit vielen Fragen an. Ich erfuhr, dass sie seit wenigen Monaten Golf spielt, kürzlich ihre Platzreife gemacht hat und von PGA Golfprofessionals unterrichtet wird. Im Schnitt übte sie zweimal die Woche. Sie betreibt zahlreiche Sportarten mit Leidenschaft, hat keine Verletzungen oder körperlichen Einschränkungen.

Auf meine Frage nach dem Flug ihrer Bälle bekam ich die typische Antwort eines Anfängers: "Mal fliegen sie nach links, mal nach rechts. Mein größtes Problem ist die Unbeständigkeit. Jeder Ballflug ist eine Überraschung."

Für den Bau der Schläger benötigte ich jetzt noch nähere Informationen über ihr bisheriges Material. Hierzu nahm ich statische Messungen vor, die Auskunft über Länge, Gewicht, Loft, Lie, Face Angle, Flex und Griffgröße liefern.

Danach machte ich mir auf der Driving Range ein Bild von ihrem Spiel. Ich setze dazu einen Launch Monitor ein, um den Ballflug zu ermitteln, und eine Videokamera, um den Schwung zu analysieren. Zunächst überraschte mich ihr Griff: Ausgesprochen gut! Dagegen schränkte ihre Ansprechposition die Ausführung ein. Sie stand zu weit vom Ball entfernt und hielt ihre Hände zu hoch. Es gab kaum einen Winkel zwischen Schaft und linkem Arm. Die Bälle, die sie schlug, waren überwiegend Pushes und Push-Hooks, was mich verwunderte, da die meisten Anfänger Slices oder Pull-Slices spielen. Zudem traf sie den Ball mal fett, mal dünn. Ursache dieses Schlagmusters: Ein zu flacher Eintreffwinkel. Ihre Schwungbahn kam zu sehr von innen, es gab nur wenig Handgelenkwinkel am Ende der Ausholbewegung, und sie löste den Schwung früh auf.

Alle drei Faktoren führen dazu, dass der Schlägerkopf den Boden vor dem Ball trifft oder den Ball in der Aufwärtsbewegung toppt. Grund hierfür: Andrea bewegte den Arm auf einer sehr flachen Ebene, flacher sogar als die Schulterebene. Dies wiederum war durch die Ansprechposition bedingt.

Bei Tests mit ihren alten Schlägern zeigte der Launch Monitor eine Schlag-/Ballgeschwindigkeit von 65/90 MPH (Meilen pro Stunde) beim 5er Eisen, von 75/109 MPH mit dem Holz. Der Eintreffwinkel war stets deutlich zu flach, der Ball bekam keine richtige Flugphase. Nach ungefähr 40 Bällen hatte ich alle Informationen, die ich brauchte.

Zeit, über das Beobachtete zu sprechen.

Wie sich herausstellte, gab es nur ein paar Punkte, die nicht passten.

Das größte Problem war der Lie Angle der Eisen, der ungefähr 4 Grad zu aufrecht war. Ein aufrechter Lie Angle bewirkt, dass der Ball nach links fliegt, was Andrea durch einen Schwung nach rechts auszugleichen versuchte. Um ihr dies zu verdeutlichen, nutzte ich ein Lie Board. Mit Hilfe eines Aufklebers an der Sohle des Schlägers konnte ich ihr nach einem Schlag über das Brett zeigen, wie ihr Schläger aufsetzt.

Der Lie Angle ist eine der wichtigsten Größen beim Eisenfitting - er muss stimmen!

Neben dem Lie Angle passte auch der Schaft nicht zu ihrem Schwung. Der für Frauen ausgelegte Flex war für sie zu weich, zugleich war der untere Abschnitt des Schafts hart wie für einen Tourspieler!

Außerdem spielte sie Schlägerköpfe, die kaum Fehler verzeihen.

Auch das Fairwayholz passte nicht zu ihr. Der Loft war zu gering, so dass sie nicht in der Lage war, den Ball vom Boden zu schlagen.

Die gute Nachricht: Schlägerlänge und Griffdicke waren optimal abgestimmt.

Ich baute Andrea nun ein 7er Eisen mit dem Spiralock-System von Tom Wishon zusammen. Dieses System erlaubt es, jeden denkbaren Schaft mit jedem denkbaren Schlägerkopf zu kombinieren. Mit diesem Eisen arbeiteten wir zunächst am Schwung. Ich stellte Andrea näher an den Ball, senkte ihre Hände in der Ansprechposition und richtete ihre Schultern parallel zur Ziellinie aus.

Jetzt war sie bereit für einen guten Schwung.

Ich musste sie dazu bringen, ihre Arme im zweiten Teil des Rückschwungs etwas höher anzuheben. Dazu platzierte ich ein Schaumstoff-Hindernis so, dass sie eine steilere Schwungeben verfolgen musste, wollte sie nicht in das Hindernis schlagen. Sie setzte es perfekt um und hatte nun eine aufrechtere Schwungbahn.

Der Schlägerkopf kam immer noch von innen, nun aber traf sie zuerst den Ball, dann den Boden. Keine fett oder dünn getroffenen Bälle mehr! Die meisten Bälle flogen gerade, denn der um 4 Grad flachere Lie Angle hatte das Problem der nach links verzogenen Bälle gelöst.

Nach den Testschlägen entschieden wir uns für Länge und Flex des Schaftes sowie für den Lie und das Design des Schlägerkopfes.

Letzter Schritt: Das passende Schwunggewicht beziehungsweise des passende Trägheitsmoment, auch MOI genannt - Moment of Inertia.

Nach verschiedenen Tests, bei denen wir Gewicht hinzufügten oder wegnahmen, fanden wir heraus, mit welcher Konfiguration Andrea die meisten Bälle mittig bzw. zentral traf, das heißt, mit der Mitte des Schlägerblatts.

Mit den Informationen, die wir durch das Fitting der Eisen erhalten hatten, sowie den Schwungkorrekturen, war das Fitting des Drivers keine große Sache mehr. Wir probierten einige Schäfte aus und erhielten schließlich eine ziemlich einzigartige, für Andrea aber optimale Konfiguration. Mit 43 Inch ist der Schaft ihres Drivers deutlich kürzer als bei Drivern, wie sie von der Stange verkauft werden. Die besten Werte erzielte sie mit einem Loft von 15 Grad - sie schlug den Ball damit bis zu 50 Meter weiter als zuvor! Im Grunde spielt sie jetzt ein 2er oder 3er Holz - mit einem Driver-Kopf.

Entscheidend ist: Sie trifft den Ball damit optimal - und hat Spaß am Spiel.

Alles, was uns nun noch zu tun blieb, war die Zusammenstellung ihres Schlägersatzes und die Wahl der passenden Griffe. Andreas Erst-Ausstattung gefitteter Golfschläger besteht heute aus acht Golfschlägern: Dem Driver, einem 7er Holz, einem Hybrid 5, einem 7er und einem 9er Eisen, einem Pitching-Wedge und einem Sandwedge - und dem Putter. Ich habe die Lofts aller Schläger so angepasst, dass zwischen jedem Schläger 6 Grad Unterschied bestehen.

Einen Fitting-Termin können Sie über unser Formular oder auch direkt bei Ihrem Fitter vor Ort über seine E-Mail Adresse anfragen.

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